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Der Albtraum

Eine Millionenstadt hielt den Atem an. Die Tagesschau dauerte nicht die übliche Viertelstunde, sondern bis Mitternacht. Neun Menschen, darunter acht Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren, starben im Kugelhagel des Amokläufers, weitere 27 sind durch seine Schüsse teilweise schwer verletzt worden. Dank der inzwischen in fast jeder Hosentasche greifbaren Smartphones mit Videofunktion konnte jedermann die verstörende Szene am Eingang des Schnellrestaurants erleben, als der Amokläufer auf fliehende Menschen schoß.

In den Medien schossen die Spekulationen ins Kraut. Die unübersichtliche Nachrichtenlage ließ zunächst keine Bewertung der Vorgänge zu. Nicht einmal die Polizei konnte über Stunden hinweg sagen, ob es sich um einen „gewöhnlichen“ Amoklauf oder um Terrorismus handelte, ob man es mit einem Einzeltäter oder einer Gruppe zu tun hatte. Erst recht blieb unklar, welche Motive zugrunde lagen. Von Islamismus bis zum Rechtsextremismus reichten die Vermutungen. Nun wissen wir, daß es sich um einen einzigen Täter handelte. Es liegt auch auf der Hand, daß es sich um den gewissermaßen klassischen Amoklauf gehandelt hat. Wenn überhaupt politische Motive als einer der Beweggründe des Täters in Betracht kommen, dann liegt eine Urheberschaft des IS ebenso fern, wie ein Bezug zur Neo-Naziszene in Deutschland. Der zuständige Oberstaatsanwalt spricht davon, daß der Täter wegen einer psychischen Erkrankung aus dem depressiven Formenkreis in Behandlung gewesen sei. Man habe in seinem Zimmer auch Literatur über Amokläufe gefunden, und er habe wohl auch in den sozialen Netzwerken den Amoklauf eines Schülers im schwäbischen Winnenden verherrlicht.

Man kann nur hoffen, daß die Politik sich nun mit wohlfeilen Rezepten zurückhält. Es ist zum wiederholten Male ein Albtraum Wirklichkeit geworden. Die Parallelen gerade zum Amoklauf von Winnenden liegen auf der Hand. Das Alter des Täters wie auch seiner meisten Opfer, die er auch noch in das bei Jugendlichen beliebte Schnellrestaurant gelockt haben soll, weisen eine offenkundige Vorbildfunktion der Amokläufe in amerikanischen wie deutschen Schulen auf. Sollte der Täter außerdem während seiner Tat Parolen ausgerufen haben, so dürfte nach Sachlage allenfalls die Brutalität von politisch motivierten Attentätern aller Schattierungen dem Täter imponiert haben.

Die Tat gibt weder unserem Gesinnungsministerlein aus dem Saarland Veranlassung, seine Schnüffelei im Internet zu intensivieren, noch den hoplophoben politischen Gouvernanten jeglicher Couleur Gelegenheit, nach einer weiteren Verschärfung der Waffengesetze zu rufen. Die Waffe des Täters war offensichtlich illegal erworben worden.

Was wirklich bleibt, ist die Trauer um die Toten, die Hoffnung auf schnelle und vollständige Genesung der Verwundeten, das Mitleid mit den Hinterbliebenen der Opfer, aber auch die Anteilnahme am Schicksal der Familie des Täters, die damit leben muß, daß ihr Sohn bzw. Bruder ein Massenmörder war, wobei seine psychische Erkrankung nicht wirklich ein Trost sein kann.

Und was bleiben wird: Nichts und niemand wird uns auch in Zukunft davor schützen können, Opfer einer solchen Tat zu werden. Denn alle dringend notwendigen Vorkehrungen gegen den politischen, vor allem islamistischen Terror vermögen gegen solche Amokläufe nichts auszurichten.

Begriffserklärung:
Der Begriff der Hoplophobie ist nicht sehr geläufig. Im Gegensatz zur allenthalben beschworenen sogenannten Homophobie und Islamophobie. Der Wortbestandteil der Phobie, also eines Angstgefühls mit Krankheitswert, muß nicht näher erläutert werden. Bei dieser Gelegenheit darf aber nochmals gesagt werden, daß er sprachlich in den erwähnten Begriffen Homophobie und Islamophobie fehlerhaft gebraucht wird, denn es soll sich dabei ja um einen Haß gegen die betreffenden Personenmehrheiten handeln. Die Hoplophobie ist die krankhafte Angst vor Waffen. Hoplon ist das altgriechische Wort für Waffe. Daher kommt die Bezeichnung Hoplit für den schwerbewaffneten Fußsoldaten der griechischen Phalanx.