Nu(h)r mal so gesagt

Dieter Nuhr hat auf das Jahr zurückgeblickt.

Der Ritt auf der Rasierklinge

Der Mann reitet ja auf der Rasierklinge. Das zeigt er in seinem Jahresrückblick durchaus beeindruckend. Beeindruckend allerdings auch insoweit, als seiner berechtigten, bissigen und witzigen Kritik an den Verhältnissen in unserem Lande gewissermaßen als Rückversicherung wüste Beschimpfungen der AfD beigemischt sind. Diese sind allerdings derartig grotesk geraten, daß man sich fragen muß, ob das der hintergründige Hinweis darauf ist, daß es sich hier tatsächlich nu(h)r um die notwendige Konzession an die political correctness handelt. So ruft ja nicht einmal der unsägliche Björn Höcke nach einem neuen „Führer“, und so findet man nicht einmal in seinen Aussagen antisemitische Passagen. Wer derartiges auf der Bühne vom Stapel läßt, kann sich natürlich sicher sein, daß seine Zuhörer das nicht wissen und auch nicht auf die Schnelle überprüfen können. Ob das angesichts der gut 95 % wirklich intelligenten Kritik auch an denen, von deren Wohlwollen seine Weiterbeschäftigung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen abhängt, ausreichen wird, ihm seinen Job zu sichern, wollen wir einmal offen lassen und müssen es abwarten.

Lächelnd das Lächerliche aufspießen

Der ganze Wahnsinn der political correctness, die absurden Forderungen der Klimahysteriker, die Verlogenheit der konsumfreudigen Klimaaktivisten, die Sprachverhunzung durch den Genderwahn, und vor allem die unübertroffene Meisterschaft der Deutschen, sich vor aller Welt lächerlich zu machen, das alles breitet er genüßlich vor seinem Publikum aus, das mit begeistertem Applaus auch nicht spart. Im politischen Berlin dürfte sich dieser Applaus allerdings in engen Grenzen gehalten haben. Dort kommt niemand bei ihm gut weg, und das ist auch gut so, um eine Floskel zu zitieren, die eine jener Galionsfiguren der Berliner Politik geprägt hat, von der inzwischen  niemand mehr spricht. Man muß übrigens kein Prophet sein um vorhersagen zu können, daß auch die aktuellen Galionsfiguren der deutschen Politik zum größten Teil bald vergessen sein werden, soweit sie nicht wie die Bundeskanzlerin noch in hundert Jahren für den Niedergang eines einstmals führenden Landes stehen werden.

Laßt die Anonymen unter sich bleiben

Unter anderem gibt er auch all den Zeitgenossen Saures, die ihr unterentwickeltes Ego damit stützen wollen, daß sie anonym verbale Fäkalien absondern. Vielleicht sollten sich viele Leute überlegen, ob sie überhaupt noch die sogenannten sozialen, tatsächlich asozialen Medien wie Facebook, Twitter und Co. nutzen wollen. Ich glaube nicht, daß man sich von der Welt abschneidet, wenn man an diesen Veranstaltungen nicht teilnimmt, sondern sie voll und ganz jenen Zeitgenossen überläßt. Die können dann in diesem Biotop belfern und geifern wie sie wollen. Den Rest der Welt interessiert es dann eben nicht mehr.

Die Jahreswende kann ja auch mal die Wende bringen

Vielleicht erleben wir im Jahre 2020 eine wirkliche Wende, und nicht solche politischen Mißgeburten wie Energiewende, Klimawende und was es der Absurditäten noch mehr gibt. Denn was wir brauchen, ist eine geistige Wende. Eine Wende hin zur Nüchternheit, zur ehrlichen Analyse, zur Bescheidenheit, die zum Beispiel zur Einsicht führt, daß der kleine Mensch die große Welt nur wenig bis gar nicht ändern kann, von der Natur ganz zu schweigen. Eine Wende hin zu einer Kultur des Augenmaßes, des Machbaren, aber auch eine Wende hin zur Freiheit, nicht nur in den wirklichen Diktaturen, sondern auch in den Gefängnissen der political correctness, auf daß sich der Wunsch des Marquis de Posa erfüllt: „Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!“


2 Gedanken zu „Nu(h)r mal so gesagt

  1. Tarek

    Hallo Hr. Thesen,
    ich verfolge Ihre Beiträge nun seit Mitte 2015 und war damals überrascht, dass es noch jemanden außer mir mit dem Familiennamen Thesen gibt, der auch nicht weit von hier aufgewachsen ist (ich bin zurzeit heimisch im Kleinen, aber feinen Saarland). Da ich auch stets ein starker Befürworter der kantianischen Philosophie bin, schätze ich sogar umso mehr, dass Sie diese Philosophie tatsächlich praktisch umsetzen, was den meisten leider heutzutage nicht gelingt (die meisten scheinen eher mehr über die Philosophie Kants zu schwadronieren statt sie praktisch umzusetzen). Auch Ihr Engagement im von Peter Weber gegründeten Bürgerforum „Hallo Meinung“ sehe ich als sehr wichtigen und entscheidenden Fortschritt um die politische Mitte in Deutschland wiederherzustellen und gleichzeitig dem mündigen Bürger die Möglichkeit zu geben seine Meinung kundzutun, ohne dabei totgeschwiegen zu werden oder gar ganz alleine dastehen zu müssen wenn die Medienlandschaft oder eine Horde Twitter-Nutzer den mündigen Bürger verbal bis körperlich angreift. Denn vielen (vor allem jungen Menschen, zu denen ich auch gehöre, aber ich doch höriger und aufmerksamer bin als die meisten meiner jungen Mitmenschen) ist nämlich oftmals nicht klar, was passieren würde, wenn die Polarisierung beider politischer Lager kein Ende nimmt. Es macht keinen Sinn sich ständig auszugrenzen und anzufeinden, weil man verschiedene politische Ansichten hat. Am Ende muss diskutiert werden mit den anderen Parteien. Ob das nun die Grünen wollen oder nicht. Und es muss von mancher Seite eingesehen werden, dass bestimmte Forderungen völlig absurd und kostentechnisch unmöglich wie untragbar sind für die Bürger. (bspw. die absurde Forderung einer CO2-Steuer)

    Ja, auch die CDU wird und muss sich in der Zukunft mit der AfD auseinandersetzen, diskutieren und möglichst bald abwägen wie es weiter geht, denn es ist absehbar, wie die zukünftigen Ergebnisse der Bundestagswahlen aussehen werden, wie Sie selbst ja oben ebenfalls andeuten. Unsere jetzigen etablierten Parteien im Bundestag verweigern sich (noch) dieser einfachen Pflicht der Diskussion auf unreife Art und Weise. Da die Medien leider auch zusätzlich mit im Boot dieses Propagandaspiels sind, bleibt letztlich nichts anderes übrig als das der mündige und selbstdenkende Bürger nun wieder selbst seine Stimme erhebt (was er aber eigentlich immer tun sollte) und damit die Nichtobjektivität der Medien sowie der Parteien durch Objektivität mittels eines Bürgerforums ersetzt. Daher ist dieses Projekt nicht nur ein einfaches Nebenprojekt, sondern es stellt die entscheidende Möglichkeit dar den Extremisten nicht mehr alleine das Feld zu überlassen und damit Deutschland vor dem Kentern zu retten. Ich danke nochmals für Ihre Beiträge. Diese werden ein Schatz für selbstdenkende und mündige Bürger sein. Sowohl für jetzige als auch für nachkommende Generationen.

    Ich wünsche Ihnen ein frohes Neujahr.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Tarek.

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    1. 73687496 Beitragsautor

      Sehr geehrter Herr Thesen,
      erst mal ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr! Über Leser wie Sie freue ich mich aus genau den Gründen, die Sie dargelegt haben. Demokratie funktioniert nun einmal nur mit (aktiven) Demokraten. Also arbeiten wir weiter unverdrossen daran, unsere Mitbürger zum Denken zu bringen!
      Mit freundlichen Grüßen
      Rainer Thesen

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