Wir schaffen auch das – oder etwa nicht?

Warum eigentlich ist der Glaube an einen von uns Menschen verursachten Wandel des Weltklimas so populär? Liegt das alleine daran, daß Politik und Medien diese Theorie als allein zutreffend behandeln und entsprechend den Diskurs darüber führen? Immerhin gibt es ja auch andere wissenschaftliche Begründungen dafür, die jedoch von Politik und Medien nahezu einhellig als falsch abgelehnt werden. Mehr noch, im öffentlichen Diskurs spielen sie praktisch keine Rolle, weil es offensichtlich eine stillschweigende Übereinkunft der Meinungsführer gibt, darüber erst gar nicht zu reden. Vielmehr spricht man sachlich unzutreffend  von Klimaleugnern, was ja sprachlich wie sachlich unsinnig ist. Natürlich leugnet niemand, daß es ein Klima gibt, und es leugnet auch  soweit ersichtlich niemand, daß es einen Klimawandel gibt. Das wäre auch merkwürdig, denn einen solchen hat es schon immer gegeben, was wohl nicht einmal die Verfechter der Theorie vom menschengemachten Klimawandel in Abrede stellen.  Schließlich weiß jedes Kind spätestens nach der Grundschule, daß es Eiszeiten gegeben hat ebenso wie tropisches Klima etwa in  Mitteleuropa.

Doch die durchaus messbaren Veränderungen des Klimas auf dieser Erde  werden nun wenn nicht ausschließlich, so doch im Wesentlichen auf menschliche Aktivitäten zurückgeführt, zuvörderst die Industrialisierung und den motorisierten Verkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft.  Die Verbrennung  fossiler Energieträger wie Kohle und Erdölprodukte ist nach allgemeinener Meinung als Ursache dafür ausgemacht. Wer daran zweifelt, ist eben ein Klimaleugner.

Doch warum ist diese Theorie so populär?

Die Antwort darauf findet sich in der Geistesgeschichte der Menschheit. Schon in der Bibel findet sich ganz am Anfang der berühmte Satz : „Machet euch die Erde untertan“ (Genesis 1,28). Das war gewissermaßen der Programmsatz für die Überzeugung der Menschheit, die Herrschaft über die Erde (dominium terrae) zu besitzen. Allerdings  war dieser Glaube bis zum Zeitalter der Aufklärung und großen Erfindungen nicht sehr ausgeprägt, was eben aus diesem Grunde leicht verständlich ist. Die Naturgewalten wurden als schicksalhaft und unbeherrschbar empfunden. Man sah nun einmal eher  das Walten der Götter, des Einen Gottes  oder sonstiger überirdischer Mächte, dem der Mensch ausgesetzt war.

Das änderte sich dann wie gesagt mit zunehmender Einsicht  in die Naturgesetze und die daraus erwachsenen Entdeckungen und Erfindungen. Nicht von ungefähr war es der Mathematiker und Philosoph René Descartes (1596-1650), der in seinem „Discours de la Methode“ für die damalige Zeit recht keck formulierte: „Die Menschen sind Herrscher und Besitzer der Natur.“ Der menschliche Verstand sei imstande, alles zu ergründen und auch zu steuern. Das Denken mache den Menschen eben aus (cogito ergo sum – ich denke, also bin ich). Die Aufklärung, in englischer Sprache so schön „age of enlightment – Zeitalter der Erleuchtung“ genannt, brachte eben den Abschied von dem Glauben an das Schicksal und das Walten höherer Mächte.   „Sapere aude – wage weise zu sein!“ rief Immanuel Kant  seinen Zeitgenossen zu. Und sie taten es gründlich. Die Entwicklung von Naturwissenschaften und Technik nahm immer schneller Fahrt auf. Krankheiten, ja sogar Epidemien, lernte die Medizin zu beherrschen. Wo noch wenige Jahrhunderte zuvor Pest und Cholera ganze Landstriche entvölkert hatten, wo junge Mütter reihenweise dem Kindbettfieber erlegen waren, wo dem Wundstarrkrampf auf dem Schlachtfeld wenigstens genauso viele Soldaten  wie der direkten Waffenwirkung erlegen waren, um nur einige Beispiele aufzuzählen, stellten die Menschen erst mit Erstaunen, dann immer mehr als Selbstverständlichkeit fest,  daß sie  Krankheit und Siechtum, fast sogar den Tod beherrschten. Die Erfindung der Dampfmaschine, des Verbrennungsmotors und des Flugzeuges ermöglichte die industrielle Produktion und damit eine geradezu explosionsartige Entwicklung des allgemeinen Wohlstandes. So konnte zum Beispiel erst die maschinengestützte  landwirtschaftliche Produktion unbegrenzt viele Menschen ernähren. Der Bauer, der mit der Hacke wenige Quadratmeter Land bearbeitete und  seine Feldfrüchte auf dem Rücken zum Markt in der nächsten kleinen Stadt trug, taugte nur noch zum romantisch verklärten Bild von der „guten alten Zeit“. Wie von Zyklopenhand errichtete gewaltige Staumauern ermöglichten die Gewinnung elektrischer Energie und boten damit das Bild  der vom Menschen beherrschten Naturgewalt. Die Schwerkraft schien aufgehoben, als die Menschen sich in ihren Flugzeugen in die Luft erhoben und im Fluge die Vögel weit hinter sich ließen. Selbst die Zerstörungskraft des Menschen hatte Ausmaße angenommen, die  bis dato allenfalls in den Vorstellungen von der Apokalypse Platz gehabt hatten. Ja in der Tat, der Mensch war Herrscher und Besitzer der Natur geworden.

Seit über 300 Jahren gehört es zum Lebensgefühl des modernen Menschen, man könnte fast sagen zu seiner DNA, daß er die Natur beherrscht. Die Vorstellung jedoch, es gebe  Naturereignisse, die der Mensch nicht doch am Ende irgendwie beherrschen kann, wie etwa die Überflutungen weiter Landstriche durch das Hochwasser mittels Errichtung gewaltiger Dämme, oder den Abgang von Lawinen in den Bergen  durch entsprechenden Verbau, diese Vorstellung ist mit dem Selbstbild des Menschen als Herrscher und Besitzer der Natur nicht vereinbar. Sie ist vielmehr dem modernen Menschen unerträglich.

Und somit kann nicht sein, was nicht sein darf. Wenn sich die klimatischen Verhältnisse auf dieser Erde ändern, ob zum Positiven oder zum Negativen, dann muß der Mensch das steuern können. Es kann nicht anders sein, als daß er das verursacht hat. Und wenn er das verursacht hat, dann kann er das auch  steuern und verändern. Und deswegen glaubt man so gerne, daß  es auch so ist. Wenn wir Menschen doch in der Lage sind, wenn schon nicht den Globus zum Absturz zu bringen,  so doch die Erde in eine atomare Wüste zu verwandeln und damit unbewohnbar zu machen, warum sollten wir dann nicht in der Lage sein,  eine so kleine Korrektur vorzunehmen, wie die Erzeugung eines simplen Gases wie des CO2 einzuschränken oder gar völlig einzustellen? Wir können doch alles, warum nicht auch das? Wir ersetzen einfach die Energieerzeugung mittels Verbrennung fossiler Energieträger durch die Erzeugung alternativer Energien (sprachlich natürlich ebenfalls falsch, wir erzeugen keine Energien, sondern nutzen Energieträger). Jedenfalls machen uns das angeblich 97 % der Wissenschaftler klar. Daß es sich bei diesem Quorum allerdings nur um 76 von über 10.000 weit überwiegend amerikanischen Wissenschaftlern handelt, wird im öffentlichen Diskurs natürlich auch nicht erwähnt.

Die menschliche Hybris wird mit einer solchen Theorie gut bedient.  Allerdings ebenso die Zukunftsangst, die naturgemäß eher junge Menschen als  solche im letzten Drittel ihres Lebens umtreibt. Wenn sich etwa in dreißig Jahren herausgestellt haben wird, daß die nahezu vollständige Einstellung des CO2-Ausstoßes den Klimawandel nicht aufgehalten, dafür aber die Industrie in Deutschland zerstört hat, so daß die heutige Generation Fridays for Future auf vorindustriellem Niveau leben muß, dann sind die Scharlatane  der Klimareligion wie Schellnhuber, Latif und Co. nicht mehr unter uns. Sie wird niemand zur Verantwortung ziehen können. Die Zerstörung der Lebensgrundlagen  wird nachhaltig sein. Hinzu kommt, daß vernünftige Maßnahmen zur wenigstens teilweisen Beherrschung der Folgen des naturgegebenen Klimawandels unterblieben sind, was das Leben künftiger Generationen jedenfalls in Deutschland und anderen Heimstätten der Narretei erheblich erschweren wird.

Anderswo auf dieser Erde, etwa in China, wird das Leben so weitergehen, wie es heute ist, nur wird man dort  Wissenschaft und Technik zur Beherrschung der Folgen  des unvermeidlichen Klimawandels einsetzen. Vielleicht lesen die Kinder dort in den Schulbüchern  dann auch etwas über jenes merkwürdige Volk in Mitteleuropa, das einmal der Motor der wissenschaftlich-technischen Entwicklung auf dieser Erde gewesen ist, inzwischen aber in seinen Restbeständen die Früchte des Feldes mit Ochsengespannen in die Scheunen  bringt. Ob den Herrgottswinkel in der Bauernstube auch ein Bild der Heiligen Greta ziert, werden wir jedenfalls zu Lebzeiten nicht mehr erfahren.


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