Archiv für den Monat: Februar 2026

Russland vs. Ukraine: Hundertjähriger Krieg?

Die Überschrift ist bewußt provokant und irreal gewählt. Denn angesichts der festgefügt erscheinenden Auffassungen der Befürworter wie auch der Gegner einer andauernden Unterstützung der Ukraine gegen den zweifellos völkerrechtswidrig begonnenen und von Russland auch völkerrechtswidrig geführten Krieg erscheint es notwendig, den Denkprozeß mit einem kräftigen Stoß in Gang zu bringen.

Die Kosten des Krieges für die Unterstützer der Ukraine

Dieser Krieg dauert nun seit dem Beginn der sogenannten „militärischen Spezialoperation“ am 24.2.2022 bereits vier Jahre an. Zum Vergleich: der Krieg des Deutschen Reiches gegen die Sowjetunion dauerte vom 22.6.1941 bis zur Kapitulation am 8.5.1945, also nur knapp vier Jahre. Indessen erscheint dieser Krieg nach seiner anfänglichen Dynamik seit Jahren wie festgefroren. Russland hat zwar wesentliche Teile des im Osten des Landes gelegenen rohstoffreichen Donbass in Besitz genommen, die Ukraine verteidigt indessen seit Jahren erfolgreich ihr Staatsgebiet gegen den weiteren russischen Vormarsch. Das gelingt ihr allerdings nur, weil sie seit Kriegsbeginn im Februar 2022 insgesamt 343 Milliarden € an Unterstützungen erhalten hat, davon 157 Milliarden € finanzielle, 24 Milliarden € humanitäre und 162 Milliarden € militärische Hilfen. Davon haben die USA 115 Milliarden €, die EU 48 Milliarden € und die einzelnen EU-Mitgliedstaaten weitere 88 Milliarden € bezahlt, Deutschland allein 25,07 €. Wenn man die finanzielle Belastung eines Landes durch die Unterstützung der Ukraine betrachtet, muss man natürlich auch die Kosten für Unterbringung und Lebensunterhalt der Flüchtlinge hinzurechnen. Das sind im Falle Deutschlands 47,51 Milliarden €.

Die vergleichsweise hohen Kosten der USA für die Unterstützung der Ukraine werden allerdings zu einem wesentlichen Teil dadurch kompensiert, daß die an die Ukraine gelieferten Waffen zum großen Teil in den USA produziert werden, und damit dort Arbeitsplätze schaffen bzw. sichern. Die Europäer indessen werden volkswirtschaftlich mit den oben genannten Beträgen mehr oder weniger netto belastet, denn Waffensysteme aus europäischer Produktion wie etwa die vergleichsweise wenigen Leopard I und II oder das Luftverteidigungssystem Iris T machen nur einen kleinen Bruchteil der gesamten Waffenlieferungen aus.

Die völkerrechtlich ganz sicher zulässige und ethisch angesichts der unrechtmäßigen Kriegführung Russlands gerechtfertigte Unterstützung der Ukraine ist zweifellos rechtlich nicht geboten. Politisch sie in Europa wohl noch Konsens, in Amerika nicht mehr unbedingt. Es ist daher auch an der Zeit, darüber nachzudenken, ob die immensen Kosten hierfür noch gerechtfertigt sind.

Kann sich Deutschland diese Unterstützung noch länger leisten?

Das gilt nicht nur für die Ukraine selbst, das gilt vor allem für ihre Unterstützer, auch für unser Land. Denn die Kosten dieses Krieges, wie sie oben dargestellt worden sind, sind angesichts dessen, daß auf absehbare Zeit ein Sieg der Ukraine dergestalt, daß sie etwa den Donbass vollständig zurückgewinnt, von der Krim ganz zu schweigen, nicht mehr vertretbar. Dazu will ich einmal ein paar Zahlen nennen, vor allem, was sie für unsere Lebensverhältnisse bedeuten, die nun einmal wesentlich auch von einer funktionierenden Infrastruktur geprägt werden.

Der Berliner Senat steckt jedes Jahr durchschnittlich drei Milliarden Euro in die Sanierung von Schulen, Turnhallen, Schwimmbädern oder den Neubau von Brücken. Viel mehr gibt der Haushalt des hoch verschuldeten Landes auch nicht her. Dennoch reicht diese Summe nicht annähernd, um die marode Infrastruktur wieder auf Vordermann zu bringen.

In den nächsten zehn Jahren müssten eigentlich 108 Milliarden Euro in die maroden Berliner Gebäude, Straßen, Schienen und Energienetze investiert werden. Das haben die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, Investitionsbank Berlin und der Ostdeutsche Bankenverband in einer Studie ausgerechnet, die Anfang April 2025 vorgestellt wurde. Das ist also nur der „failed state“ Berlin. Der Investitionsrückstand in ganz Deutschland beträgt natürlich ein vielfaches davon.

Aus der Unterstützung ad infinitum könnte sehr bald eine Unterstützung ad nauseam werden.

Ist ein nicht enden wollender Krieg dem ukrainischen Volk wirklich zumutbar?

Die finanziellen Auswirkungen des Krieges für die Ukraine, insbesondere mit Blick auf die Kosten des Wiederaufbaus, lassen sich seriös noch gar nicht abschätzen, auf jeden Fall steigen sie fortwährend dramatisch an. Russland zerstört ja systematisch die Infrastruktur des Landes und die Wohnbebauung in den großen Städten. Zur Wahrheit gehört auch, daß die Ukraine ihre Fernwaffen auf russischem Gebiet, soweit ersichtlich, ausschließlich gegen militärische Ziele und Infrastruktur einsetzt. Über die wirklichen Zahlen der Opfer des Krieges, sowohl an Soldaten als auch an Zivilisten, liegen keine verlässlichen Zahlen vor. Diese Zahlen sind eben von höchster politischer Brisanz und unterliegen daher dem bekannten Gesetz des Krieges, wonach als erstes die Wahrheit stirbt. Jedoch sind diese Zahlen mit Sicherheit erschreckend hoch, und das Leid insbesondere der ukrainischen Bevölkerung, wobei man die Familien der gefallenen russischen Soldaten auch nicht vergessen sollte, ist an sich unerträglich.

Das führt durchaus zur Frage, ob die Fortführung dieses Krieges, auch aus ukrainischer Sicht, noch ethisch vertretbar ist. Leider muss die Rechtsfrage dabei ausgeklammert werden, denn das Völkerrecht kann nur durchgesetzt werden, wenn es um den Rechtsbruch durch international machtlose kleine Staaten geht. Gegen eine Großmacht wie Russland kann es kaum wirkungsvoll angewandt werden. Urteile des Internationalen Gerichtshofs werden von den Großmächten schlicht ignoriert, wie auch der aktuelle Fall Russland zeigt. Der Internationale Strafgerichtshof kann gegen die Großmächte China, Russland und USA nicht in Stellung gebracht werden, denn sie haben das Römische Statut nicht ratifiziert. Allenfalls eine Verurteilung Russlands durch den Internationalen Gerichtshof zur Zahlung von Schadensersatz an die Ukraine könnte möglicherweise durch Beschlagnahme russischer Auslandskonten vollstreckt werden. Auch dies wäre völkerrechtlich allerdings ein Novum.

Die beiden Kriegsparteien verhandeln nun seit geraumer Zeit unter Vermittlung der USA direkt miteinander. Daran könnte man die Hoffnung knüpfen, daß ein Ende der Kampfhandlungen, ja sogar ein Friedensschluss in absehbarer Zeit kommen könnte. In Anbetracht der militärischen Lage kann allerdings auch nur ein Verlust der bislang von Russland besetzten ukrainischen Gebiete als Grundlage eines Waffenstillstandes oder gar Friedensvertrages ernsthaft als Ergebnis herauskommen. So sehr es verständlich ist, daß die Ukrainer keinen Quadratmeter ihres Staatsgebietes dem Aggressor zugestehen wollen, so wenig ist das realistisch. Vor allem aber muss nach dieser langen Dauer des Krieges die Frage gestellt werden, ob die großen Opfer des Volkes noch in einem vertretbaren Verhältnis zum Kriegsziel der Einhaltung des gesamten Staatsgebietes stehen. Dabei kann ernsthaft von der Krim ja überhaupt nicht mehr die Rede sein, sondern nur noch vom Donbass.

Das führt zur grundsätzlichen Frage, inwieweit der Einsatz militärischer Gewalt überhaupt ethisch gerechtfertigt ist. Das wiederum führt zu der uralten Frage nach dem gerechten Krieg. Der auch als Vater des Völkerrechts bezeichnete Hugo Grotius hat dazu in seinem berühmten Werk „De jure belli ac pacis“ zum Problem der Verhältnismäßigkeit bemerkt, daß der Krieg im Zweifel zu vermeiden und nur als letzte Wahl zulässig sei. Und er müsse aus der Sicht des Angreifers auch ohne unverhältnismäßig große Verluste gewonnen werden können. Das gilt für die Verteidigung ebenso. Natürlich haben sich mit diesem Thema auch Philosophen und Theologen jahrhundertelang auseinandergesetzt, von Platon und Aristoteles angefangen über Augustinus und Thomas von Aquin. Aus der Sicht katholischer Friedensethik siehe hierzu die Bemerkungen von Robert W. McElroy, Weihbischof von San Francisco: »Catholic doctrine does not permit continuation of war based on a mere wisp of hope. If the principle of proportionality in Catholic doctrine is to have any meaning, it must require that, in the absence of any clear probability of success after 10 years of major fighting, war must end.« (Robert W. McElroy, »War without End«, in: America. The National Catholic Weekly, 21.2.2011). Eine solche zeitliche Grenze halte ich für mindestens problematisch, sie wäre aber auch im vorliegenden Falle bereits seit langem überschritten, denn Russland hat mit der militärischen Besetzung ukrainischen Staatsgebiets bereits 2014 begonnen, wenn auch nicht offiziell, sondern unter Einsatz von Soldaten ohne nationale Kennzeichnung, die hierzulande spöttisch „kleine grüne Männchen“ genannt wurden.

Der Preis des Friedens wird hoch sein. Doch der Preis des Krieges ist ungleich höher.

Es gehört aber auch zum Wesen des Krieges, daß er ungerechte Folgen nach sich zieht, insbesondere die völkerrechtswidrige Inbesitznahme von fremdem Staatsgebiet letztendlich festgeschrieben wird. Ob das nun in förmlichen internationalen Verträgen wie etwa nach den beiden Weltkriegen geschieht, oder ob das ganz einfach die normative Kraft des Faktischen ist, wie Juristen das unabänderliche Unrecht vornehm umschreiben, es ist eben so. Und am Ende kann man nicht rückgängig machen, was eben die Sieger zu Recht oder zu Unrecht diktiert haben. Deutschland hat deswegen letztendlich auch der weder ethisch noch völkerrechtlich gerechtfertigten Annexion seiner östlichen Landesteile durch Polen und die Sowjetunion zugestimmt, Polen seinerseits ebenfalls dieser Annexion seiner östlichen Landesteile durch die Sowjetunion, um nur zwei Beispiele zu benennen. Der Umstand, daß Deutschland seinerzeit die Sowjetunion angegriffen hat, rechtfertigt aus meiner Sicht nicht, nach dem Sieg die Landkarte zu verändern. Völkerrechtlich zulässig ist nur die Wiederherstellung rechtmäßiger Zustände.

Im Ergebnis kann man jedenfalls nach der Lehre vom gerechten Krieg nach vier Jahren nicht mehr auf dem Rechtsstandpunkt beharren. Ethisch vertretbar ist nur noch ein Nachgeben, was allerdings nicht mit einer vollständigen Unterwerfung verwechselt werden darf.

Entscheidend werden die geopolitischen Interessen der Großmächte sein.

Das Ergebnis von Friedensverhandlungen wird im wesentlichen von der geopolitischen Weltlage und den daraus resultierenden Interessen der Großmächte bestimmt sein. Russland betrachtet nach wie vor die Ukraine als Teil seiner Hemisphäre. Die USA wiederum werden akzeptieren müssen, daß ihr Versuch, die Ukraine – offenbar unter Billigung der Bevölkerungsmehrheit – näher an NATO und EU heranzuführen und damit letztendlich in ihre Hemisphäre einzugliedern, jedenfalls nicht in vollem Umfang Erfolg haben kann. Sie werden sich am Ende auch mit den weitreichenden Zusagen der Ukraine, was die Ausbeutung der dortigen Bodenschätze angeht, zufrieden geben, deswegen allerdings auch Garantien für die Sicherheit des Landes übernehmen, ohne daß es förmlich Mitglied von EU und NATO wird. Was Russland angeht, so wird es ebenfalls seine geopolitischen Interessen herunterregulieren müssen, denn ein nach der Pfeife Moskaus tanzender Satellitenstaat wie etwa Weißrussland wird die Ukraine nicht werden.

China indessen wird am Ende wohl der heimliche Gewinner sein. Schon jetzt hängt die russische Kriegführung maßgeblich von der finanziellen Unterstützung Chinas ab. Diese Abhängigkeit steigt. Ohne die zwar plausible, sachlich jedoch falsche Boiling Frog Theorie zu bemühen, lässt sich unschwer vorhersagen, daß Russland am Ende dieser Entwicklung Teil der chinesischen Hemisphäre sein wird, bevor es das selbst realisiert haben wird. Das weiß Washington, und das erklärt auch, warum das Augenmerk der Amerikaner viel mehr China gilt, als Europa. Aus amerikanischer Sicht ist es daher notwendig, daß die Europäer die Lasten der Verteidigung gegen die chinesisch/russische Expansion in wesentlich stärkerem Umfang tragen, als bisher.

Deutschland muß endlich erwachsen werden, denn auf dem Schauplatz der Weltpolitik sind Träumer nicht gefragt

Was Deutschland angeht, so haben wir keine wirklich eigenständigen Optionen in diesem weltpolitischen Spiel. Wir werden auch nur dann die führende Militärmacht des europäischen Kontinents werden, von der Friedrich Merz so gerne spricht, wenn in Deutschland ein radikales Umdenken einsetzt. Nicht mehr die pazifistische Studienrätin mit dem hohen Ton der Menschenrechte einfordernden Moral, sondern der realistische Unternehmer sollte der Archetypus des Deutschen sein, idealiterer mit militärischer Kompetenz, gewonnen in der eigenen Dienstzeit als Soldat. Nicht mehr der genderfluide sanfte Jüngling mit der blaugefärbten Haarsträhne im Studium der Soziologie, kombiniert mit Theaterwissenschaften, sondern der mit robuster Psyche ausgestatte Handwerksmeister mit gefechtshelmtauglichem Kurzhaarschnitt und Mob-Beorderung als Oberfeldwebel in einem Heimatschutzregiment sollte der typische junge Mann in unserer nur so auch wirklich selbstbehauptungswilligen Republik sein. Nicht mehr das passive Verharren im Schutz des übermächtigen Verbündeten aus Übersee, sondern das Herstellen und Vorhalten einer glaubwürdigen Verteidigungs(Kriegs)tüchtigkeit schützen uns auf die Dauer vor den unkalkulierbaren Risiken, die aus der Existenz eines aggressiven und hochgerüsteten Russland folgen, dessen Präsident sich in der Nachfolge Peters des Großen sieht, und der schon vor Jahren den Untergang der Sowjetunion als das tragischste Ereignis der russischen Geschichte bezeichnet hat. Man sollte schon darüber nachdenken, was von einem russischen Staatschef zu halten ist, der in seiner Amtszeit bis heute mehr als hundert Stalin-Denkmäler errichten ließ und auf den Friedhöfen des Landes die Jugend dazu anhält, den Helden des „Großen Vaterländischen Krieges“, wie der Krieg gegen das Deutsche Reich in Russland heißt, militärische Ehren zu erweisen, gekleidet in die historischen Uniformen der Roten Armee. Auch der in einigen Jahren zu erwartende Wechsel an der Spitze dieses Staates ändert nichts daran, daß er militärisch nun einmal Möglichkeiten hat, zwar nicht Europa ganz oder zum Teil zu erobern, aber mit militärischen Mitteln zu politischen und wirtschaftlichen Zugeständnissen zu zwingen. Keine Luftabwehr kann Raketen ausschalten, die mit zehnfacher Schallgeschwindigkeit deutsches Territorium anfliegen. Dem Kampfmittel Drohne haben wir bis heute nichts entgegenzusetzen. Cyberangriffe erleben wir nahezu täglich. Auch wenn deren Urheber nicht immer sicher festzustellen sind, kann kein ernsthafter Zweifel daran bestehen, daß häufig Russland der Verursacher ist. Was will man damit bezwecken? Wer davor die Augen verschließt wie leider viele Politiker das tun, oder gar solchen Blödsinn absondert, wie ein Herr Höcke, wonach Deutschland in seiner derzeitigen Verfassung es nicht wert sei, daß seine Soldaten ihr Leben für das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes einsetzen, disqualifiziert sich nachhaltig für politische Ämter.

Fazit:

Ich halte fest: Der Überprüfung unter ehischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten hält die unveränderte Unterstützung der Ukraine nicht mehr stand. So hart es klingt: man muß das Land zu einem Kompromißfrieden drängen, sowohl in seinem als auch unserem Interesse. Im Übrigen wachsen auch die russischen Bäume nicht in den Himmel, was den Weg zu einem Kompromißfrieden ebnen dürfte.

Geht’s noch?

Immer, wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Dieser Kalenderspruch fand sich in meiner Jugendzeit tatsächlich auf so manchem Wandkalender und natürlich auch in den damals beliebten Poesiealben. Das ist lange her. In einer aktuellen Abwandlung indessen ist der Spruch immer noch brauchbar. Immer, wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo noch mehr Blödsinn her.

Moderne Zeiten

Wir leben ja in einer Zeit, die von der sogenannten Transformation gekennzeichnet ist. Gemeint sind damit Bestrebungen der linksdrehenden intellektuellen Kaste, die Gesellschaftsordnung völlig umzuwandeln, um auf diesem Wege das uralte sozialistische Ziel zu erreichen: die Schaffung des neuen Menschen. Denn nur der neue Mensch, der eben neu denkt und nicht mehr in den alten Vorstellungen verhaftet ist, die das Denken von vielen Generationen geprägt haben, auch noch, ich gebe es zu, meins. Zum Beispiel, daß es nur zwei Geschlechter gibt, zum Beispiel, daß die Menschen nicht gleich sind, indessen gleiche Rechte haben. An dieser Stelle wird es etwas kompliziert. Denn gleiche Rechte zu haben, bedeutet, daß Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln ist, wie das in unserer Verfassung festgeschrieben ist. Zu den offenbar altbackenen Vorstellungen gehört es auch, daß Wertschöpfung und Wirtschaft am besten privat organisiert werden, die sogenannte Vergesellschaftung der Produktionsmittel, seit Karl Marx die Grundvoraussetzung für die Erreichung der klassenlosen Gesellschaft gleicher und glücklicher Individuen, in allen ihren ungezählten Varianten immer nur wirtschaftliche Not und persönliche Unfreiheit mit sich gebracht hat.

Geschlecht ist nur eine Vorstellung

Zu den Glaubenssätzen der modernen Linken gehört demgemäß die Auflösung des überkommenen Familienbildes und die Verneinung der Existenz natürlicher Geschlechter. Nebenbei bemerkt, auch die Verneinung der von Geburt an unterschiedlichen Intelligenz (wobei es der Linken leider nicht gelingen kann, unterschiedliche körperliche Veranlagungen von Geburt an zu leugnen, denn das sieht man eben). So werden wir nun seit Jahren damit traktiert, daß neugeborene Kinder eben nicht einfach männlich oder weiblich sind. Vielmehr wird einem Menschen sein Geschlecht bei der Geburt zugewiesen, wie uns das von den Lehrstühlen der Geschwätzwissenschaften unserer Universitäten herab erklärt wird. Weil das mit dem gewöhnlichen Denkvermögen nicht geleistet werden kann, benötigen wir ja dazu die Anleitung durch „die“ Wissenschaft.

Der ganz normale Wahnsinn in der deutschen Politik

Man sollte meinen, solche Narretei bliebe auf akademische Zirkel und links-grüne Stuhlkreise beschränkt. Dem ist leider nicht so. Vielmehr ist die beschriebene Transformation Teil der Agenda weiter Teile der Politik, nicht nur der für jeden, aber auch wirklich jeden Unfug guten Grünen. Glauben Sie nicht? Nun, hier der Beweis: zu den vielen Aufgaben des auswärtigen Amtes gehört natürlich auch die Betreuung deutscher Staatsbürger im Ausland. Wenn sie Kinder bekommen, möchten sie diesen natürlich regelmäßig die deutsche Staatsbürgerschaft verschaffen, die sie an und für sich ja von Rechts wegen mit der Geburt erwerben. Aber das muss ja auch wirklich mit Brief und Siegel bestätigt werden. Dazu muss ein „Antrag auf Beurkundung einer Auslandsgeburt im Geburtenregister (§ 36 PStG“) gestellt werden. Natürlich gibt es dafür auch ein Formular, das von den zuständigen Auslandsvertretungen bereitgehalten wird, und das man auch, wie das heute so ist, gleich im Internet herunterladen kann. Dann stellt man überraschendes fest.

In dem Teil „Angaben über die leibliche Mutter“ finden sich überraschende Formulierungen. In der Version November 2020 wird der Begriff leibliche Mutter ergänzt um den Begriff „1. Elternteil“, was in der aktuellen Version seit Mai 2025 nicht mehr der Fall ist. In diesem Antwortfeld kann die leibliche Mutter nun unter der Rubrik „Geschlecht“ ankreuzen „weiblich“, „männlich“, „divers“ oder “ keine Angaben“. Zum Familienstand der Mutter stehen zur Auswahl „ledig“, „verheiratet“, „in einer Lebenspartnerschaft lebend“, „geschieden“, „verwitwet“, „Lebenspartnerschaft aufgehoben“, und „Lebenspartnerschaft durch Tod aufgelöst“. So weit, so bürokratisch. Aber dann ist anzugeben „Anzahl aller Ehen/Lebenspartnerschaften“, 0,1, 2,3 und mehr.

Auch der Vater/2. Elternteil(ggf. Ehegatte/Ehegattin der Mutter) hat Angaben zu machen. Für ihn stehen bei der Geschlechtsangabe ebenfalls zur Wahl männlich, weiblich, divers oder auch keine Angaben.

Wenig überraschend kann bei den Angaben über das Kind das Geschlecht mit weiblich, männlich, divers bzw. „keine Angaben“ ausgefüllt werden.

Sie meinen, Sie sind ein Mann? Oder eine Frau? Vergessen Sie’s!

Nach den Vorstellungen der zuständigen Beamten in unserem Außenministerium kann also die leibliche Mutter/1. Elternteil eines Kindes ein Mann und der Vater eine Frau sein, und sie kann in drei oder mehr Ehen leben. Zwar ist die Bigamie, erst recht die Polygamie bei uns verboten. Aber für die Verfasser dieses Formulars eine offenbar durchaus vorkommende Lebensform, weswegen dafür in diesem Formular auch Raum sein muss. Das biologische Geschlecht männlich oder weiblich scheint hier bereits „überwunden“ zu sein. Nach den Vorstellungen dieser Beamten können ja Männer von Frauen gezeugte Kinder gebären, denen dann auch ein Geschlecht mit der Bezeichnung divers „zugewiesen“ werden kann. Ich gebe zu, beim erstmaligen Lesen dieses Formulars spontan den Verdacht gehabt zu haben, es handle sich hier um eine KI-generierte Falschinformation zwecks Diskreditierung der unermüdlich zu unserer aller Wohle schaffenden Bundesregierung, selbstverständlich von finsteren rechten Kreisen ausgebrütet. Indessen handelt es sich wirklich um amtliche Formulare, auf die man auch von dem auswärtigen Amt bei der Recherche weitergeleitet wird, auch von den deutschen Botschaften. Also kein Fake, vielmehr Wirklichkeit.

Die linksgrüne Union

Nun wird das Außenministerium seit Mai vergangenen Jahres von einem CDU-Politiker geführt. Zu den Zeiten des grünen Irrlichts Annalena Baerbock konnte man so etwas durchaus erwarten. Jedoch muss man feststellen, daß derartiges unter Führung der CDU durchaus immer noch möglich ist. Links ist vorbei, hat Friedrich Merz vor der Wahl getönt. Links feiert tatsächlich fröhliche Urständ, was in einer CDU, die den Regierenden Bürgermeister von Berlin in ihren Reihen weiß, der fröhlich Regenbogenfähnchen am Christopher Street Day schwenkt, an und für sich doch zu erwarten ist.

Wer also genau wissen will, was er von den Unionsparteien zu erwarten hat, der mache sich auf den Seiten des auswärtigen Amtes kundig. Finis Germania.

Die Weltpolitik, Donald Trump und der deutsche Hühnerhof

Die Veröffentlichung der nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten von Amerika im November 2025 hat in Deutschland nicht geringe Aufregungen hervorgerufen. In diesem Zusammenhang ist natürlich auch das Agieren des US-Präsidenten Donald Trump im Ukraine-Konflikt, aber auch bezüglich Grönland zu sehen. Es handelt sich hier im Grunde genommen um eine Weltordnung, die der Politikwissenschaftler und Jurist Carl Schmitt 1939 in seinem Konzept der Großraumordnung grundsätzlich zutreffend beschrieben hat, allerdings durchaus mit Fehlern behaftet. So wird der Großraum der westlichen Hemisphäre eben nicht von Großbritannien, sondern von den USA dominiert. Dies zeigt sich an der Monroe-Doktrin von 1823, die auch von weiteren US-Präsidenten vertreten und fortgeschrieben worden ist, so Wilson, beide Roosevelts, auch Clinton und Obama und, nun sehr ausgeprägt und intensiviert von Donald Trump. Im Grunde genommen tut er nichts anderes, als seine Vorgänger. Er passt diese Grundlage der amerikanischen Außenpolitik eben an die gegenwärtige Weltlage an.

Die geographische Zuordnung

Das zeigt sich gerade an den Beispielen Grönland und Ukraine. Grönland musste in den Fokus der USA geraten, nachdem zum einen infolge des Klimawandels die ungeheuren Bodenschätze unter dem Eispanzer der Insel interessant werden. Möglicherweise wird man spätestens in einigen Jahrzehnten mit der Ausbeutung bis heute unzugänglicher oder nur schwer zugänglicher Lagerstätten beginnen können. Nach Angaben der US Energy Information Administration befinden sich in der Region schätzungsweise 13 % des weltweit unentdeckten Öls und 30 % des unentdeckten Erdgases. Der US Geological Survey schätzt, daß Grönland über 1,5 Millionen t Reserven an seltenen Erden verfügt. Die USA verfügen über ca. 1,8 Millionen t. Zum anderen werden wohl demnächst Schiffahrtpassagen, insbesondere die Nordostpassage, in ganz anderem Ausmaß genutzt werden können als bisher. Diese Schifffahrtsroute führt entlang der arktischen Küste Russlands und verbindet den atlantischen mit dem pazifischen Ozean. Sie gewinnt durch das schmelzende Eis in der Arktis an Bedeutung, wodurch dauerhaft nutzbare Routen entstehen, die Transportzeiten und -kosten zwischen Europa und Asien reduzieren können. Die Ukraine hingegen gehört schon geographisch als unmittelbarar Anrainer Russlands zu seiner Hemisphäre. Dazu später.

Die russischen Interessen

Hier kommt nun auch das geopolitische Denken Russlands ins Spiel. Denn Grönland ist Teil der GIUK-Lücke, einem Engpass zwischen Grönland, Island und Großbritannien, der während des kalten Krieges sorgfältig überwacht wurde. Aus den gleichen Gründen, wie für die USA rückt dies nunmehr in den Blickpunkt der russischen Administration. Bereits am 26.10.2020 verabschiedete Wladimir Putin offiziell die neue Strategie für die Entwicklung der arktischen Zone der Russischen Föderation und die Gewährleistung der nationalen Sicherheit für den Zeitraum bis 2035. Vom fernöstlichen Festland über die Beringstraße nach Alaska sind es nur 55 Meilen. Russland hat in den letzten Jahren dort Flugplätze renoviert, Stützpunkte hinzugefügt und Truppen disloziiert.

Die chinesischen Interessen

Auch die dritte Großmacht – China – hat hier Interessen. Die Nutzung der Nordostpassage wäre für China äußerst vorteilhaft, denn die Transportkosten zwischen Europa und Asien würden drastisch sinken, weil im Vergleich zu den Routen über Suez- bzw. Panamakanal die Nordostroute die Transportzeiten um fast die Hälfte auf etwa 15 Tage verkürzen würde. Folgerichtig hat die chinesische Regierung in ihrem Weißbuch zur Arktis auch erklärt, daß eben infolge der globalen Erwärmung die arktischen Schifffahrtsrouten zu wichtigen Transportrouten für den internationalen Handel werden. Natürlich ist China auch an den erheblichen Rohstoffreserven interessiert, die durch das schmelzende Eis in der Arktis bald zur Verfügung stehen. Beijing hat auch seine wirtschaftliche Präsenz in der Region verstärkt, unter anderem durch Investitionen in grönländische Bergbaubetriebe. Das ist die konsequente Fortentwicklung der Expansion weit über die ostasiatische Region hinaus, die man zweifellos als chinesische Hemisphäre bezeichnen könnte. Tatsächlich ist die Präsenz Chinas insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent unübersehbar. China macht durch eine geschickte Wirtschaftspolitik einen großen Teil der sogenannten dritten und vierten Welt zu einem Teil seines Großraums. Das ist harte Großmachtpolitik, die mit blumiger Lyrik wie „neue Seidenstraße“ nur schlecht camoufliert wird.

Identische Interessen

Hier treffen sich auch die geostrategischen Interessen Chinas und Russlands. Russland sieht die Arktis und damit auch Grönland als entscheidend für seine Rückkehr zur Großmacht an. Aus der Sicht Chinas ist die Nordseeroute die einzige Seeader, die als Beijings „polare Seidenstraße“ nicht wie der Suez-Kanal oder die Meerengen von Malakka und Taiwan von der US-Flotte kontrolliert wird. Bei seinem letzten Besuch in Moskau hat Präsident Xi Jinping auch deutlich gemacht, daß es um eine Zusammenarbeit gegen die USA geht, die ja nichts anderes tun, als den chinesischen Aufstieg zu verhindern. Umgekehrt ist aus amerikanischer Sicht eben oberste Priorität die Verteidigung der westlichen Hemisphäre, und damit zu verhindern, daß China und Russland in den „Hinterhof“ der USA kommen. Donald Trumps nationale Sicherheitsstrategie ist somit die moderne Interpretation der Monroe-Doktrin von 1823, die darauf abzielte, die europäischen Mächte aus der westlichen Hemisphäre herauszuhalten. Die Politik Trumps konzentriert sich darauf, die Dominanz der USA zu behaupten und zu verhindern, daß China und Russland Einfluss in der Region gewinnen. Dazu werden gegebenenfalls auch kleinere Verbündete wie Dänemark unter Druck gesetzt. Damit einhergehen Wirtschaftsnationalismus, Handelsprotektionismus und unilaterale Außenpolitik. Es geht darum, Amerikas Dominanz aufrechtzuerhalten. Wir sehen die Rückkehr zu einer merkantilen Politik, die sich von internationalistischen Perspektiven und universellen Regeln entfernt.

suum cuique

Zu diesem Großraumdenken gehört aber auch, die vitalen Interessen anderer Großmächte zu berücksichtigen, wenn es sein muss. Unbeschadet dessen, daß selbstverständlich jede der drei Großmächte am liebsten die Welt alleine beherrschen würde, das aber jedenfalls auf lange Sicht nicht können wird, lässt man den konkurrierenden Großmächten in ihren Grenzen und Einflusszonen freie Hand. Deswegen werden die USA auf keinen Fall die Ukraine militärisch direkt unterstützen und es dabei belassen, Waffenlieferungen ihrer Verbündeten nicht zu widersprechen, und eine Vermittlerrolle zwischen Russland und der Ukraine zu übernehmen. Man mag das angesichts der Schrecknisse des russischen Angriffskrieges moralisch missbilligen, und juristisch auf die UN-Charta verweisen, die doch die Hilfeleistung zugunsten des völkerrechtswidrig angegriffenen Staates ausdrücklich erlaubt. Aber auch nur erlaubt, und nicht erzwingt. Bekanntlich kann eine Verpflichtung zu militärischem Beistand nur durch einen Beschluss des UN-Sicherheitsrates begründet werden. Ein solcher Beschluss ist immer dann ausgeschlossen, wenn er den Interessen einer der Veto-Mächte zuwiderläuft. Deswegen können sowohl die USA, als auch China und Russland in ihren Großräumen tun und lassen was sie wollen. Das war auch zum Beispiel während des kalten Krieges so. Als vor nunmehr 70 Jahren die Sowjetunion den Aufstand in Ungarn blutig niederschlug, rührten die Vereinigten Staaten und die NATO keine Hand. Erst recht nicht, als die Sowjetunion der DDR erlaubte, die berüchtigte Mauer am 13. August 1961 zu bauen. Hier beließen es die USA bei einem die Gefühle der deutschen Bevölkerung erhebenden Auftritt des Präsidenten Kennedy in Berlin. Auch die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 folgte der Großraumlogik, wonach die von Carl Schmitt apostrophierten raumfremden Mächte im jeweils anderen Raum nichts zu suchen haben.

Das war auch Nikita Chruschtschow klar, als John F. Kennedy seinen Versuch, im Hinterhof der USA auf Kuba russische Raketen zu stationieren, konsequent mit der Drohung des Atomschlages stoppte. Den stets angestrebten und in ungezählten militärischen Großübungen geprobten Angriff auf Mittel- und Westeuropa hat die Sowjetunion letztendlich niemals gewagt, weil die Lagebeurteilung ihrer Militärs stets ein sicheres Scheitern eines solchen Angriffs an der Verteidigung der NATO ergab.

Deutschland – Weltkind in der Mitten

Wenden wir uns nun der deutschen Politik zu. Soweit die Erosion des Völkerrechts beklagt wird, so sind diese Klagen juristisch zwar gerechtfertigt, politisch indessen naiv. Das Verbot des Angriffskrieges im Völkerrecht, das es ja ohnehin erst seit der UN-Charta von 1949 wirklich gibt, und das seit 2018 wegen der insoweit erfolgten und beschlossenen Präzisierung des Römischen Statuts von 1998 auch die Bestrafung der maßgeblichen Befehlshaber des Aggressors nach sich ziehen kann, gilt praktisch nur gegenüber kleinen und mittleren Staaten, soweit sie nicht auf den Schutz einer Veto-Macht des UN-Sicherheitsrates vertrauen können, wie etwa Israel oder das Syrien des Diktators Assad. Die Großmächte USA, China und Russland sind ohnehin keine Vertragsstaaten. Nicht einmal das Kriegsvölkerrecht, was ja nichts anderes als der noble Versuch ist, den Krieg juristisch einzuhegen, kann in der Praxis gegen die Großmächte eingesetzt werden. Kriegsverbrechen amerikanischer – aber auch britischer – Soldaten im Zweiten Weltkrieg, amerikanischer Soldaten im Vietnamkrieg, im Irak oder sonstwo, ebenso wenig wie der Soldaten der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg und der russischen Streitkräfte in der Ukraine – die Reihe lässt sich fortsetzen – sind entweder überhaupt nicht oder dann nur mit juristisch nicht mehr nachvollziehbar Milde bestraft worden. So ist es nun einmal.

Was ist zu tun?

Wir Deutschen können es natürlich nicht dabei belassen, das Unrecht dieser Welt zu beklagen. Wir müssen vielmehr unsere Interessen, insbesondere unsere Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen definieren und daraus die notwendigen Schlüsse ziehen. Die Deutschen fühlten sich jahrzehntelang unter dem atomaren Schutzschirm der USA und im nordatlantischen Bündnis sicher. Man lebte saturiert im bundesrepublikanischen Biedermeier. Die Bundeswehr war ein notwendiges Übel, die Kosten dafür wurden nur mit Murren getragen. Die immer wieder erneuerten Vorhaltungen der USA, Deutschland möge doch seinen finanziellen Anteil an den gemeinsamen Verteidigungslasten angemessen erhöhen, stießen auf taube Ohren. Und nun erwachen die Deutschen aus ihrem Tiefschlaf, reiben sich die Augen und stellen fest, daß ihre Sicherheit heute nicht weniger durch die Sowjetunion in neuer Gestalt, das russländlische Großreich, von dem nicht nur Putin träumt, bedroht ist als zu Zeiten des kalten Krieges, indessen Deutschland in der nationalen Sicherheitsstrategie der USA zwar durchaus eine Rolle spielt, jedoch ebenso wie der Rest der NATO weitaus größere eigene Anstrengungen unternehmen muss, als dies bis 1990 der Fall war. Es bleibt daher nichts anderes übrig, als die finanziellen Aufwendungen für die Landes- und Bündnisverteidigung mindestens zu verdoppeln, und die Bundeswehr in der Tat kriegstüchtig zu machen. Verteidigungsfähigkeit und Kriegstüchtigkeit sind dabei nur zwei verschiedene Begriffe für dieselbe Sache. Das bedingt aber nicht nur diese finanziellen Anstrengungen, sondern es führt kein Weg an einer drastischen Erhöhung der Mannschaftsstärke unserer Streitkräfte vorbei, die nach Auffassung aller seriösen Fachleute nur durch die Wiedereinführung der Wehrpflicht, wie wir sie einmal hatten, erreicht werden kann. Dazu muss dann natürlich auch die Infrastruktur in Gestalt neuer Kasernen und die erforderliche Organisation mit der entsprechenden Anzahl von Ausbildungseinrichtungen geschaffen werden. Vor allem aber muss auch die Ausrüstung der Truppe dem heutigen Kriegsbild angepasst werden, Stichwort Drohnen. Dieses neue Kampfmittel bestimmt das Kriegsbild unserer Tage, was man in der Ukraine sehen kann, wenn man hinschaut. Dazu gehört auch, daß sich die Technik stürmisch fortentwickelt und nahezu im Monatsrhythmus veraltet. Der Nachholbedarf der Bundeswehr insoweit ist ungeheuer groß, auch bei größten Anstrengungen werden Jahre vergehen, bis wir insoweit „up to date“ sind. Die bürokratischen und juristischen Hindernisse auf diesem Wege wegzuräumen, bedarf einer grundlegenden Änderung der deutschen Mentalität. Man muss unter anderem bereit sein, schlicht und einfach auf dem Weltmarkt einzukaufen, was aktuell benötigt wird. Wer etwa moralische Bedenken gegen neuartige Gefechtstechniken hat, und von „Töten mittels Joystick“ faselt, sollte tunlichst von jeglicher politischen Verantwortung ferngehalten werden. Einen guten Überblick darüber, was wirklich zu tun mit ist, hat erst kürzlich Generalmajor a.D. Markus Kurczyk in seinem hier: https://www.tichyseinblick.de/interviews/markus-kurczyk/ nachzulesenden Interview mit Alexander Wendt gegeben.

Der Popanz Trump

Der Blick in die gern zitierte politische Landschaft indessen stimmt nachdenklich. Der Blick in die deutsche Medienlandschaft gleicht dem in einen von aufgeregtem Gegacker gefüllten Hühnerhof. Statt der nüchternen Lagebeurteilung und souveränen, an den Interessen des Landes geleiteten politischen Entscheidungen dominiert in Deutschland das Gezeter über Donald Trump. Seine Politik und sein Verhalten werden als mindestens erratisch, häufig als autoritär, rücksichtslos und unmoralisch verdammt. Deutsche Intellektuelle halluzinieren den bevorstehenden Staatsstreich im Wege einer usurpierten dritten Amtszeit, einhergehend mit der militärischen Besetzung Grönlands, Kanadas und Kubas. Nun ist zuzugestehen, daß der Mann sich Umgangsformen leistet, die mit flegelhaft und „prollig“ beschrieben werden können. Dieter Bohlen mit seinen ätzenden Berwertungen von Kandidaten in „Deutschland sucht den Superstar“ nimmt sich dagegen fast als Gentleman aus. Er reizt auch offensichtlich die Möglichkeiten hemmungslos aus, die ihm als Präsidenten von der Verfassung zugebilligt werden, wobei er offensichtlich auch juristisch jedes Risiko eingeht. Für Letzteres habe ich als Anwalt indessen Verständnis, denn ich muss auch stets im Interesse des Mandanten die rechtlichen Möglichkeiten ausreizen und dabei in Kauf nehmen, daß ein Gericht im Einzelfall feststellt, mein Mandant sei über seine rechtlichen Grenzen hinausgegangen. Donald Trump verachtet also nicht den Rechtsstaat, wie ihm das die linksdrehenden Gutmenschen in Deutschland gerne unterstellen, er reizt lediglich seine Möglichkeiten im Rahmen der Rechtsordnung aus.

Warum sie ihn wirklich hassen

Warum dieser Präsident in Deutschland, aber auch bei der Linken im eigenen Land und in Europa so verhasst ist, hat einen anderen Grund. Er steht gesellschaftspolitisch gegen alles, was mit dem Begriff der Transformation umschrieben wird. Er lässt gesetzlich festschreiben, daß es nur zwei Geschlechter gibt. Er nimmt Abschied von der Theorie des menschengemachten Klimawandels und hebt die deswegen eingeführten technologischen und wirtschaftlichen Beschränkungen auf. Er wendet sich gegen die sogenannte „critical race theory“ und wirkt zum Beispiel darauf hin, daß Universitäten die Benachteiligung männlicher weißer Studenten aufheben müssen. Er weist die europäischen Poltiker zurecht, die gegen die Meinungsfreiheit vorgehen, womit er im Einklang mit dem Papst steht. Er geht konsequent gegen die illegale Einwanderung vor, wenn auch dabei festgestellt werden muss, daß er in den Methoden nicht selten über das Ziel hinaus schießt. Ein Beispiel sind ja die Vorgänge in Minneapolis. Eine verantwortungsvolle Regierung kann es nicht zulassen, daß das Recht mit schwerbewaffneten, aber schlecht ausgebildeten Beamten durchgesetzt wird, die aus nichtigem Anlass wild um sich schießen und offensichtlich ungefährliche Bürger töten. Um Leute aufzuspüren, zu verhaften und abzuschieben bedarf es keiner wie militärische Spezialkommandos oder polizeiliche Sondereinsatzkommandos ausgerüsteten Beamten, sondern es genügen unbewaffnete Behördenmitarbeiter, die im Bedarfsfalle eine Polizeistreife hinzuziehen können, wie das etwa in Deutschland der Fall ist. Daß man in Deutschland wegen der selbst konstruierten Rechtshindernisse auf diesem Weg nur wenig bewirken kann, steht auf einem anderen Blatt.

Realistische interessengeleitete Politik

Wir müssen auch international unsere Situation zutreffend einordnen. Wir sind eben nur ein zwar wirtschaftlich – noch – starkes Land, das aus diesem Grunde in Europa eine führende Rolle einnehmen könnte. Indessen kann daraus auf keinen Fall so etwas ähnliches wie eine europäische Großmacht unter deutscher Führung entstehen, von der seinerzeit Carl Schmitt fantasiert hat, und die er gerne an die Stelle der ihm verhassten imaginierten angelsächsisch/jüdisch dominierten westlichen Großmacht gesetzt hätte. Wir haben vielmehr nicht einmal die Wahl, welcher Großmacht wir uns unterordnen und in welchem Raum wir leben wollen. Europa ist mindestens Interessengebiet, wenn nicht Teil der westlichen Hemisphäre, die zu dominieren das ureigenste US-amerikanische Interesse gemäß der Monroe Doktrin im modernen Gewand der nationalen Sicherheitsstrategie der USA von 2025 ist. Von einer Unabhängigkeit, gar einer Zusammenarbeit mit Russland zu träumen ist ebenso verfehlt, wie es die Vorstellungen etwa eines Carl Schmitt zu einem europäischen Großraum waren. Schon Bismarck hat Russland immer als Problem und nicht als Freund gesehen. Davon scharf zu trennen ist der internationale Handel. Natürlich braucht unsere Volkswirtschaft den Handel mit Russland wie mit Indien, mit China wie mit Brasilien, natürlich auch mit den USA wie mit Frankreich.

Die internationale Ordnung ist jedoch geopolitisch letztendlich von zwei Universalismen gekennzeichnet, wie das Matthias Oppermann in einem klugen Essay für die Konrad-Adenauer-Stiftung neulich herausgearbeitet hat. Und es gilt, sich zu entscheiden: zwischen dem liberalen Universalismus des von den Vereinigten Staaten angeführten Westens und dem autoritären oder totalitären Universalismus Chinas. Wer in dieser Dichotomie Russland vermisst, übersieht, daß Russland zwar immer noch eine militärische Großmacht ist, die indessen von China abhängig ist. Die USA können es auch gar nicht dulden, daß Westeuropa oder auch nur Deutschland sich aus ihrem Großraum verabschieden. Das wäre sowohl wirtschaftlich als auch militärisch ein zu großer Nachteil. Auch wir müssen uns fragen, ob wir in einer bei allen Schwächen, zum Beispiel der in Deutschland und Großbritannien sehr gefährdeten Meinungsfreiheit, noch relativ liberalen Ordnung oder im Einflussbereich totalitärer Mächte leben wollen. Dort, wo ich wegen meiner regierungskritischen Kommentare schnell auf Nimmerwiedersehen in einem Straflager verschwinden oder auch vor meiner Haustüre erschossen werden könnte. Es kann die Antwort eigentlich nur der Ausruf Konrad Adenauers in der Bundestagsdebatte zur Westbindung am 7.12.1952 sein, den ich als Sechsjähriger mit meinem Vater am Radio hörte: „Wir wählen die Freiheit!“