Archiv für den Monat: Juli 2026

Politik aus dem Komödienstadel

Kauzige Typen auf der Bühne, ein frisches Bier auf dem Tisch und man amüsiert sich über menschliches und allzu menschliches – der Komödienstadel im Bayerischen Fernsehen steht seit Jahrzehnten für leichte Unterhaltung am Feierabend. In den letzten Jahren bekommt er allerdings zunehmend Konkurrenz von den zuvor ausgestrahlten Tagesnachrichten. Denn was man dort geboten bekommt, ist nicht selten von derart allerdings unfreiwilliger Komik, daß schon damit der Bedarf an Bespassung hinreichend gedeckt wird, und es sich damit erübrigt, zur Zerstreuung eine Komödie anzuschauen.

Die Grünen…

In der Vergangenheit fielen hier ja häufig die grünen Damen auf, bei denen die intellektuelle Ausstattung regelmäßig weit hinter dem politischen Anspruch zurückbleibt. Beispielhaft sei hier an die zwischenzeitlich auf dem politischen Altenteil angekommenen Claudia Roth und Katrin Göring-Eckardt erinnert. Und auch die legendären Sprachunfälle der inzwischen zur UNO entsorgten ehemaligen Außenministerin Annalena Baerbock wie zum Beispiel die Forderung nach einer Wende um 360° oder die hunderttausende von Kliometern entfernten Länder sorgten doch stets für Heiterkeit. Doch die Grünen haben keineswegs das Monopol auf unfreiwillige Auftritte im Komödienstadel der Politik.

die Blauen…

Nehmen wir doch mal den von den Medien und der politischen Konkurrenz zur Reinkarnation des „Führers“ hochgejazzten Björn Höcke. Der gibt doch ganz überzeugend den Frosch aus der Fledermaus, wenn er tölpelhaft sein Deutschlandfähnchen über die Sessellehne im Talkshowstudio oder über das Rednerpult beim Parteitag drapiert und läuft zu ganz großer Komikerklasse auf, wenn er davon faselt, nur die Deutschen in den neuen Bundesländern seien „richtige“ Deutsche, ihre Landsleute in den alten Bundesländern hingegen seine doch nur deutsch sprechende Amerikaner. In diese Kategorie gehört natürlich auch seine Schnapsidee, Wehrpflichtigen könne man nicht zumuten, Leib und Leben für Deutschland einzusetzen, solange das Land von den derzeit tonangebenden politischen Kräften regiert werde. Also Wehrpflicht nicht nach dem Grundgesetz, sondern je nach Regierungsmehrheit. Sein Talent als Komiker beweist natürlich auch Parteifreund Tino Chrupalla mit seiner verquasten pazifistischen Rhetorik bezüglich des Ukraine-Konflikts, der NATO und des Verhältnisses zu Russland bzw. den USA. Man kann das damit erklären, daß die außenpolitische Kompetenz des wackeren sächsischen Handwerkers an den Grenzen des Landkreises Görlitz endet und auch der Ex-Zivi Tino Chrupalla bar jeglicher Kenntnis militärischer Dinge ist. Harald Martenstein hat das mit durchaus angebrachtem Spott aufgespießt und formuliert, ein Pazifist, der Wladimir Putin verteidige, wirke so tragisch, wie eine Maus, die sexuell auf Katzen fixiert ist.

die Roten…

Nicht ohne ist in dieser Beziehung auch die Krawallschachtel der SPD, Bärbel Bas. Denn ihre Behauptung, niemand wandere in die deutschen Sozialsysteme ein, hat ja nicht einmal einen Rest an Ernsthaftigkeit. Ob man das nun in die Rubrik unfreiwillige Komik oder als Ausfluss kognitiver Dissonanz einordnen muss, sei einmal dahingestellt. Vielleicht fallen derartige Sottisen aber auch immer in beide Kategorien, wie ihre Äußerungen über die einheitsbraunen Deutschen zeigt, deren Hitler-Gen wohl nur durch Verdünnung auf nicht mehr nachweisbare Niedrigpotenzen mittels millionenfacher Vermischung mit Orientalen und Schwarzafrikanern „weggemendelt“ werden kann. Natürlich wird diese komische Alte des Berliner Komödienstadels den Rassismusvorwurf weit von sich weisen. Denn in der Vorstellungswelt unserer politischen Klasse ist der nun mal für die „Rechten“ reserviert.

und die Schwarzen.

Aber da hat natürlich auch der Koalitionspartner CSU etwas zu bieten. Dem stets hölzern wirkenden Manfred Weber traut man eigentlich nicht unbedingt komisches Talent zu. Weit gefehlt! Den Mann treibt offenbar die Sorge darüber um, die Bundeswehr könne unter das Kommando der AfD geraten. Wenn man ihm glauben darf, gibt es viele Menschen in Europa, die vor einer stark aufgerüsteten deutschen Armee unter Kontrolle der AfD Angst haben. Wird dann wohl nachgeholt, was Hitler mißlungen ist und Europa unterworfen? Weil es nun einmal eine Katastrophe wäre, wenn eine stark aufgerüstete Bundeswehr unter dem Kommando der AfD stünde, müsse nun endlich eine europäische Armee geschaffen werden, die dann nicht mehr unter dem Kommando eines AfD-Verteidigungsministers, im Kriegsfalle einer AfD-Kanzlerin, stünde. Abgesehen davon, daß es schon völlig abwegig ist, die parteipolitische Verortung der Regierung, unter deren Kommando nun einmal jede Armee auf dieser Welt steht, überhaupt nur im Zusammenhang mit den Aufgaben einer Armee zu erwähnen, ist es nach unserer Verfassung auch gar nicht möglich, die Kontrolle über die Streitkräfte, insbesondere ihren kriegerischen Einsatz, der Verantwortung des Parlaments zu entziehen. Nichts anderes bedeutete ja die Schaffung einer europäischen Armee an der Stelle der nationalen Streitkräfte unter dem Kommando der EU. Indessen ist nach Art. 87a Absatz 4 Satz 2 des Grundgesetzes die Bundeswehr eine Parlamentsarmee, denn der Einsatz von Streitkräften ist danach einzustellen, wenn der Bundestag oder der Bundesrat es verlangen. Abgesehen davon gehört die Befugnis, über Krieg und Frieden zu entscheiden, zum Kernbestand jeglicher Staatlichkeit. Daran ändert auch die Regelung in Art. 24 GG nichts, wonach der Bund Hoheitsrechte auf zwischenstaatliche Einrichtungen übertragen und sich zur Wahrung des Friedens einem System gegenseitiger kollektiver Sicherheit einordnen kann. Dabei kann er in Beschränkungen seiner Hoheitsrechte einwilligen, was denknotwendig bedeutet, daß er diese nicht völlig auf die NATO oder die EU oder sonst wen übertragen kann. Davon streng zu unterscheiden ist die Zusammenarbeit, sei es bei der Rüstung, sei es im Wege der Integration von nationalen Truppenkontingenten in supranationale Verbände wie etwa das deutsch-niederländische Korps und die Organisation der gemeinsamen Verteidigung des NATO-Gebiets wie etwa derzeit in Litauen. Auch wenn man als gelernter Ingenieur keinerlei juristische Kenntnisse hat, insbesondere verfassungs- und völkerrechtlicher Art, und als wehrpflichtiger Mannschaftsdienstgrad die Lage auf dem Gefechtsfeld nur in den Grenzen der Sichtweite seines Fernglases erkennen konnte, so sollte man als Politiker auf seiner Verwendungshöhe doch wenigstens Grundkenntnisse auf diesen Gebieten erworben haben, bevor man sich zu grundlegenden Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik äußert.

Ob es nur peinlich oder wenigstens ein bißchen komisch ist, wenn in einem Interview zu diesem Thema dann der imaginierte Eintritt der Katastrophe einer Bundeswehr unter dem Kommando der AfD damit begründet wird, im Wahlprogramm der AfD stehe, die Bundeswehr müsse die besten Traditionen der deutschen Militärgeschichte leben. Denn das sei nicht Stauffenberg, das sei purer Nationalismus. Der Mann hat seinerzeit in der Schule wohl auch gelegentlich den Geschichtsunterricht geschwänzt. Sonst wüsste er, daß Stauffenberg in dem Entwurf der dann später nicht mehr zur Verlesung gelangten Proklamation der Verschwörer des 20. Juli 1944 geschrieben hat: „Wir bekennen uns im Geist und in der Tat zu den großen Überlieferungen unseres Volkes, die durch die Verschmelzung hellenischer und christlicher Ursprünge in germanischem Wesen das abendländische Menschentum schufen. Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt, verachten aber die Gleichheitslüge und fordern die Anerkennung der naturgegebenen Ränge. Wir wollen ein Volk, das in der Erde der Heimat verwurzelt den natürlichen Mächten nahe bleibt, das im Wirken in den gegebenen Lebenskreisen sein Glück und sein Genüge findet und in freiem Stolze die niederen Triebe des Neides und der Missgunst überwindet.“ Dagegen sind naive Nationalromantiker wie Björn Höcke doch linksliberale Bundesrepublikaner von echtem Schrot und Korn. Eine Lachnummer ist dieses Interview des Riesenpolitikers (O-Ton Franz Josef Strauß) Manfred Weber in der Welt am Sonntag vom 12.7.2026 alle Mal.

Die unfreiwillige Komik ist doch die schönste!