Kulturbanausen oder Volksfeinde?

Das Berliner Schloss, einstmals Residenz der preußischen Könige und deutschen Kaiser, hatte den Zweiten Weltkrieg einigermaßen überstanden. Eine Kulturnation hätte es in einem angemessenen Zeitraum restauriert. Bekanntlich kam es anders. Es lag im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands, der sich 1949 DDR nannte. Die kommunistische Führung dieses Staates ließ das Schloss abreißen. An seine Stelle trat der sogenannte Palast der Republik, der architektonisch genau jenen kleinbürgerlichen Mief verströmte, der das Regime neben seiner ausgesprochenen Brutalität kennzeichnete. Der sprichwörtliche Berliner Witz fand dafür den Spitznamen „Erichs Lampenladen“. Nach der Wende fanden sich viele Bürger, die unter Führung des verdienstvollen Wilhelm von Boddien viele Millionen Euro sammelten, um damit eine Teilherstellung des Schlosses, jedenfalls seiner Fassaden (mit Ausnahme der beton-brutal im modernen Allerweltsstil gestalteten Ostfassade) zu finanzieren und voranzutreiben.

Das ganze konnte natürlich nicht privat bleiben, schließlich handelte es sich um eine staatliche Liegenschaft. Wiederaufbau und Betrieb des Schlosses wurden daher einer Stiftung mit dem Namen Humboldt Forum übertragen. Hier haben Bund, Land Berlin und ausgewählte Institutionen aus dem Kulturbereich das Sagen. Schon während der gesamten Bauzeit zeichnete sich diese Stiftung dadurch aus, daß sie ständig als Quertreiber auftrat. Den politisch Verantwortlichen passte eben die ganze Richtung nicht. Das war halt alles zu traditionell, zu preußisch, zu patriotisch. Dennoch gelang es Wilhelm von Boddien und seiner Mannschaft, wenigstens die äußere Anmutung des einstigen Berliner Stadtschlosses wiederherzustellen.

Nun ist das Schloss fertig und „in Betrieb genommen“. Der Förderverein hat seine Gelder an die Stiftung ausgezahlt. Umgehend hat man ihn dann auch mit Wirkung vom 31.3.2026 an die frische Luft gesetzt. Und das ist mehr als ein bloßes „der Mohr hat seine Schuldigkeit getan“. Man ist endlich diese konservativen Preußenverehrer los. Und nun kann man endlich alles tun, um den Wiederaufbau des Schlosses wenn schon nicht zunichte zu machen, so doch es im Stadtbild möglichst zu verstecken und im Übrigen durch entsprechende Accessoires zu verschandeln. Es soll tatsächlich eine Bepflanzung mit schnell wachsenden Birken rund um das Schloss, natürlich nicht um die beton-brutale modernistische Ostfassade, aber um die drei anderen wiederhergestellten Fassaden erfolgen. Vor dem Schloss und in seinem repräsentativen Schlüterhof wurden überdimensionierte, scheußliche, billige Plastikmöbel und ebensolche Sonnenschirme in rot und rosa aufgestellt. Ganz offensichtlich ist das ein Kontrastprogramm zur Architektur und der Geschichte des Schlosses. Das ganze sieht mehr nach permanentem Christopher Street Day aus, als nach dem historischen Ort, der das Schloss der ehemaligen preußischen und deutschen Herrscher nun einmal ist.

Und hier sind wir beim Problem. Diese Kulturschande fügt sich nahtlos in der Gesellschaftspolitik ein, die unsere Geschichte möglichst wenn nicht ungeschehen machen, so doch mit Ausnahme der Aufständischen in den Bauernkriegen und der Sozialisten aller Schattierungen als grandiose Fehlentwicklung denunziert und diffamiert. Wir Deutschen, jedenfalls die in der Diktion der unseligen Frau Merkel schon länger hier lebenden, haben ja wohl das Nazi-Gen im Blut. Nach diversen linken Publizisten hat uns nun Bärbel Bas darüber belehrt. Denn wir sind eben „einheitsbraun“, weswegen die Zuwanderung aus Schwarzafrika und dem Orient unbedingt nötig ist, damit wir „bunter“ werden. Bisher haben sich linke Politiker insoweit offenbar zurückgehalten. Es blieb der ebenso ungebildeten wie brutalen Bärbel Bas vorbehalten, das endlich auszusprechen. Ob sie sich lediglich verplappert hat, oder damit eine Absicht verfolgt hat, will ich einmal offenlassen.

Das ist nun einmal die deutsche Besonderheit im Umgang mit der eigenen Geschichte. Die Schichten der Bevölkerung, die eigentlich ihre Eliten sein sollten, zeichnen sich durch einen ungezügelten Hass auf die eigene Geschichte und damit auch auf die eigene Identität aus. Das ist weltweit einmalig. Nirgends werden die problematischen Seiten der eigenen Geschichte so sehr in den Vordergrund gestellt, wie bei uns. Dabei haben alle anderen Völker natürlich auch ihre problematischen Abschnitte in der Geschichte. Nehmen wir nur die Kolonialpolitik der Briten und Franzosen, die an Völkermord grenzende Kriegführung der Italiener in Äthiopien und Lybien, oder die Ausrottung der indigenen Völker durch die spanischen Eroberer. Auch wenn man die Größenordnung der Nazi-Verbrechen betrachtet, so stehen quantitativ und qualitativ die Verbrechen der kommunistischen Regime Russlands und Chinas durchaus vergleichbar daneben. Niemandem dort würde es jedoch einfallen, etwa den Buckingham-Palast, den Palast der französischen Könige in Versailles, Schloss Schönbrunn bei Wien, die Zaren-Schlösser in und bei Sankt Petersburg oder die Palastanlagen der verbotenen Stadt in Beijing derartig zu verschandeln, wie das die Verantwortlichen des Humboldt Forums nun tun.

Es passt ja auch, daß an der Spitze dieser Barbaren der als Kulturstaatsminister fungierende Herr Weimer steht. Der Herr ist ja bislang nur durch besondere Geschäftstüchtigkeit, eine nie dagewesene Vermengung von Amt und privatem Unternehmen sowie einen mehr als befremdlichen Umgang mit den Urheberrechten Dritter aufgefallen. Wie der Herr, so‘ s Gscherr, heißt es ja im Sprichwort. An und für sich müsste man die Verantwortlichen für diese Barbarei mit Vokabeln aus der Fäkalsprache, vielleicht auch diagnostischen Begriffen aus dem Bereich der psychischen Abnormitäten belegen. Das dumme ist nur: man kann es damit nicht bewenden lassen. Die politische Klasse dieses Landes, insbesondere soweit sie akademisch sozialisiert ist, ist nun leider das Gegenteil dessen, was ein Land braucht, um sich gesellschaftlich, wirtschaftlich und als Staat im internationalen Gefüge zu behaupten.

Finis Germania.